Natürliche Oasen: So gestaltest und bepflanzt du ein artgerechtes Schildkrötengehege
Ein gut bepflanztes Schildkrötengehege bietet Futter, Verstecke und Abwechslung – und hilft, das Verhalten deiner Tiere zu fördern. Dieser praxisnahe Leitfaden erklärt, welche Pflanzen geeignet sind, wie du richtig pflanzt und welche Pflege dein Gehege braucht, damit die Pflanzen und Schildkröten gesund bleiben.
Ein begrüntes Gehege ist für Landschildkröten mehr als Dekoration: Es liefert Nahrung, Schatten, Verstecke und mikroklimatische Vielfalt. Wenn du dein schildkrötengehege bepflanzen willst, braucht es Planung – von der Pflanzenauswahl über die Bodenvorbereitung bis zur saisonalen Pflege. Im folgenden Guide findest du praxiserprobte Tipps, eine Pflanzenliste und Hinweise zu Risiken.
Warum bepflanzen? Die Vorteile auf einen Blick
- Natürliche Ernährung: Viele Wildkräuter sind ideale Futterpflanzen.
- Mikrohabitate: Schattenplätze, Verstecke und Sonnenplätze entstehen natürlich.
- Erosionsschutz und Bodengesundheit: Pflanzen stabilisieren den Boden.
- Verhaltensanreicherung: Abwechs-lungsreiche Umgebung fördert natürliches Verhalten.
Geeignete Pflanzengruppen
Wähle eine Mischung aus robusten Stauden, Kräutern, Gräsern und einigen Sträuchern. Achte dabei auf ungiftige, möglichst heimische Arten.
Mehrjährige Futterpflanzen (gut geeignet)
- Acker-Kresse, Ackersenf (Sinapis arvensis)
- Bärlauch (nur in kontrollierten Mengen und wenn bekannt, was gefressen wird)
- Brennnesseln (junges Laub als Vitaminquelle)
- Gänseblümchen, Löwenzahn, Kleearten
- Currykraut, Thymian, Oregano, Salbei (als Strukturgeber und Duftpflanzen)
Gräser und Bodendecker
- Kleine Wildgräser: bieten Deckung und Trittfestigkeit
- Golliwoog (Callisia repens) und andere kriechende Arten als lückenfüllende Bodenbedeckung
Bäume und Sträucher (ausgewählt und klein gehalten)
- Beerensträucher (als Schattenspender und Fruchtlieferant)
- Niedrige, robuste Sträucher zur Abgrenzung (Wurzelraum beachten)
Pflanzen, die du vermeiden solltest
Viele gängige Gartenpflanzen sind für Schildkröten giftig oder unverträglich. Vermeide insbesondere:
- Zierpflanzen mit hoher Giftigkeit (z. B. Eibe, Azalee, Oleander)
- Pflanzen mit starkem Milchsaft oder Alkaloiden
- Unbekannte wilde Pflanzen, die nicht sicher identifiziert wurden
Eine ausführliche Liste findest du bei spezialisierten Seiten wie landschildkroeten-hunsrueck.de und in Haltungsempfehlungen auf landschildkroeten.de.
Planung und Pflanzkonzept
Teile das Gehege in funktionale Zonen ein:
- Futterzone: Mischung aus essbaren Kräutern und Löwenzahn.
- Schatten- und Versteckzone: dichte Bodendecker, niedrige Sträucher, Totholz.
- Ruhige Sonnenplätze: offene, sandige Bereiche zum Sonnenbaden.
- Randbereiche: robuste Stauden und Gräser gegen Ausbrechen und Wind.
Bodenvorbereitung und Substrat
Schildkröten bevorzugen durchlässige, kalkreiche Böden. Eine empfehlenswerte Mischung:
- 60% Mutterboden/Kompost (gut ausgereift)
- 20–30% Sand oder Kies für Drainage
- 10–20% Gartenkalk (nach Bodenanalyse)
Vermeide torfreiche, stark saure Substrate. Eine Bodenanalyse beim lokalen Gartenamt oder Anbieter hilft bei der Kalkdüngung.
Pflanzen setzen: Schritt-für-Schritt
- Standortanalyse: Sonne/Schattierung, Wind, Feuchtigkeit.
- Große Pflanzen zuerst, Bodendecker zuletzt.
- Multiplikation durch Stecklinge oder Saat: Viele Kräuter lassen sich leicht vermehren.
- Erst nach Anwachsen die Tiere ins frisch bepflanzte Areal zurücklassen, damit Pflanzen Wurzelkontakt aufbauen können.
Pflege, Bewässerung und Wintermanagement
Junge Pflanzen brauchen in der ersten Saison regelmäßig Wasser. Etabliertete Pflanzen sind meist trockenheitsverträglich. Wichtige Punkte:
- Bewässerung morgens, um Pilzbefall zu vermeiden.
- Regelmäßiges Zurückschneiden von stark wachsenden Arten, damit keine Dominanz entsteht.
- Im Herbst Laubhaufen oder Reisig als Überwinterungs- bzw. Unterschlupf belassen.
Schutz vor Fraß und Trampling
Schildkröten fressen und treten Pflanzen an. Strategien:
- Pflanzinseln mit robusten Arten, die Regeneration erlauben.
- Temporäre Schutzgitter um frisch gesetzte Pflanzen.
- Integre Zonen mit Totholz, Steinen und Verstecken als alternative Fressorte.
Nachhaltige Beschaffung & Rechtsfragen
Kaufe Pflanzen möglichst lokal oder entnimm keine geschützten Arten aus der Natur. Achte bei importierten Pflanzen auf Pflanzenschutzbestimmungen. Seriöse Bezugsquellen sind spezialisierte Saatmischungen und Fachgärtnereien (z. B. Lacatho oder spezialisierte Shops).
Checkliste: So startest du in 7 Schritten
- Standort prüfen (Sonne/Schatten, Bodenanalyse).
- Pflanzplan mit Futter-, Schutz- und Sonnenzonen erstellen.
- Substrat mischen (durchlässig, kalkreich).
- Robuste, heimische und ungiftige Arten wählen.
- Frisch gepflanzte Bereiche schützen und langsam an die Tiere gewöhnen.
- Regelmäßig pflegen: Bewässern, schneiden, Saisonvorbereitung.
- Quellen und Pflanzenetiketten dokumentieren (für Nachpflanzung und Kontrolle).
Weiterführende Links und Literatur
- Gehegepflanzen – Landschildkröten Hunsrück
- Ernährung – Landschildkröten.de
- Pflanzenempfehlungen – Fressnapf Magazin
Mit der richtigen Planung und Pflanzenwahl wird dein Außenbereich zu einem stabilen, naturnahen Lebensraum. Wenn du magst, kannst du mir Angaben zu Klima, Gehegegröße und Schildkrötenart geben — ich helfe dir gern mit einer konkreten Pflanzliste.