Weideniglu bauen: Schritt-für-Schritt zur lebenden Gartenkuppel
Ein Weideniglu ist eine natürliche, lebendige Spiel- und Ruheinsel im Garten — ökologisch, langlebig und schön. Diese Anleitung zeigt, wie du ein Weideniglu planst, baust und pflegst — inklusive Materialliste, Bauvarianten und Praxis-Tipps für Anfänger.
Ein Weideniglu (auch Weiden-Iglu oder Weidenhütte genannt) ist eine kuppelförmige Konstruktion aus Weidenruten, die als lebendes Gartenhaus wächst. Die Weide schlägt aus den gesteckten Ruten wieder an, so entsteht mit der Zeit eine grüne, dichte Hülle. Das macht das Weideniglu besonders nachhaltig und spannend für Familien, Kita-Gruppen oder naturnahe Gärten.
Warum ein Weideniglu?
- Ökologisch: Lebensraum für Insekten und Vögel, natürliche Klimaregulierung.
- Spielwert: Kreativer Rückzugsort für Kinder, Fördert Naturerfahrung.
- Langlebig: Bei richtiger Pflege wächst die Struktur jedes Jahr dichter.
- Vielseitig: Als Halbkuppel, Tunnel oder Iglu-Form umsetzbar.
Planung: Größe, Standort und Genehmigung
Vor dem Bau solltest du Standort und Größe festlegen. Typische Durchmesser liegen bei 1,5 m (klein), 2,0 m (mittel) oder 3,0 m (groß). Ein 2,0 m Weideniglu bietet Platz für 2–3 Kinder und ist ein gutes Anfängerprojekt.
Wähle einen sonnigen bis halbschattigen Standort mit gutem Bodenabfluss. Bei öffentlichen Flächen oder denkmalgeschützten Gärten kläre kurz rechtliche Fragen bzw. Genehmigungen.
Material- und Werkzeugliste
- Weidenruten (ungerindet, frisch geschnitten): je nach Größe 50–120 Stk.; Längen 2,5–4,5 m. Für ein 2 m Iglu ca. 60–80 Ruten; für 3 m eher 100+.
- Optional: längere Ruten (3–4,5 m) als Steher; kürzere als Flechtmaterial.
- Spaten, Handsäge, Gartenschere, Locheisen oder Erdbohrer (für Löcher).
- Schnur, Pflöcke und ggf. Stahldraht zur temporären Fixierung.
- Ggf. Stahlgestell (fertig) für schnellere Stabilität/Spielgeräte-Version.
Schritt-für-Schritt Aufbau (Weideniglu als lebende Konstruktion)
- Material vorbereiten: Weidenruten im Spätwinter/Frühjahr schneiden (dann ist die Weide in Ruhephase und schlägt am besten an). Ruten klassenweise sortieren: längere für Steher, kürzere zum Flechten.
- Fundamentkreis markieren: Mit Schnur einen Kreis im gewünschten Durchmesser markieren. Empfehlenswert: 20–30 cm Abstand zwischen benachbarten Stehern.
- Steher setzen: Die längeren Ruten senkrecht in den Boden stecken, ca. 30–50 cm tief (je nach Länge und Boden). Achte auf gleichmäßigen Abstand. Bei hartem Boden vorbohren.
- Erste Diagonalen: Verbinde gegenüberliegende Steher diagonal miteinander (aus Ruten oder Schnur) für Stabilität. Dadurch erhält das Gerüst sofort Form.
- Flechtarbeit: Beginne am Boden und flechte kürzere Ruten in gleichmäßigen Abständen rundherum ein — über, unter, über. Mit jeder Lage arbeitest du dich nach oben vor. Drücke die Ruten dicht, damit das Weideniglu später Schatten spendet und Wind abhält.
- Abschluss der Kuppel: Sobald die Last hinreichend verteilt ist, bringe die Ruten oben zusammen und verflechtest sie zu einer stabilen Kuppelspitze. Bei größeren Iglus hilft ein mittlerer Ringstock als Verbindungspunkt.
- Fixieren: Verbinde kritische Kreuzungen mit zusätzlicher Schnur oder Draht (unauffällig), bis die jungen Triebe gut verankert sind.
Pflege nach dem Bau
- Die ersten 1–2 Jahre regelmäßig gießen, besonders in Trockenperioden — lebende Weide braucht Feuchtigkeit, bis sie Wurzeln bildet.
- Im ersten Jahr nicht radikal schneiden. Im zweiten/dritten Jahr gezielt nachformen: Lücken aufflechten, Überstände kappen.
- Jährlicher Schnitt im Spätwinter/Frühjahr fördert dichtes Austriebsbild. Entferne abgestorbene Ruten.
Varianten und Abkürzungen
Wenn du schneller zu einem stabilen Spielhaus kommen willst, gibt es Alternativen:
- Weideniglu auf Stahlgestell: Fertige Rahmen mit Weiden bezogener Hülle — sofort einsatzbereit und geprüft für Kitas.
- Halbkuppel oder Tunnel: leichter zu bauen, bietet mehr Öffnungen.
- Temporäre Version: Ruten nur gesteckt, nicht zum Anwurzeln gedacht — ideal für Workshops.
Sicherheit und Kinderfreundlichkeit
- Achte auf abgerissene Splitter und scharfe Enden — abschneiden und glätten.
- Stabilität testen: Schüttle die Konstruktion und verstärke schwache Stellen.
- Bei öffentlichen oder Kita-Flächen Materialien und Befestigungen auf Schadstoffe prüfen.
- Begrenze Öffnungen, damit sich Kinder beim Spielen nicht einklemmen können.
Fehler, die du vermeiden solltest
- Zu dicht gesetzte Steher — führt zu schlechtem Verwurzelungswuchs.
- Zu flache Steckhöhe — die Ruten halten nicht ausreichend.
- Flechtarbeit zu locker — Kuppel verliert Form und Stabilität.
Weiterlesen und Materialquellen
Für Baukits, Pflanzenmaterial und detaillierte Vorlagen bieten spezialisierte Anbieter Weidensets und Komplett-Bauanleitungen an. Wenn du Workshops oder Hilfe suchst, lohnt sich eine Suche nach lokalen Weidencoursen oder Gartenbauvereinen.
Fazit: Ein Weideniglu ist ein technisch überschaubares, kreatives Projekt mit großem ökologischem Mehrwert. Mit guter Planung, dem richtigen Schnittzeitpunkt und etwas Geduld wächst aus einem Gerüst aus Weidenruten in wenigen Jahren eine grüne Kuppel, die den Garten bereichert.