Propolis gewinnen: Schonende Methoden, Zeitpunkte und Verarbeitung für Imker
Praktische Anleitung für Imker: Wann und wie die Gewinnung von Propolis gelingt, welche Geräte sich bewähren und wie Rohpropolis sicher verarbeitet und gelagert wird. Tipps zur Qualitätssicherung und Nachhaltigkeit inklusive.
Propolis (Kittharz) ist ein von Bienen gesammeltes Baumharz mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Die Gewinnung von Propolis ist für viele Imker ein zusätzlicher Ertrag und bietet Rohstoff für Tinkturen, Salben oder Naturkosmetik. Im Folgenden finden Sie praxisnahe, suchmaschinenoptimierte Informationen zu Methoden, Zeitpunkten, Verarbeitung, Lagerung und rechtlichen Hinweisen.
Was ist Propolis und warum ernten?
Propolis besteht überwiegend aus pflanzlichen Harzen, Wachsen und Bienenenzymen. Die Bienen verwenden es zur Abdichtung, Desinfektion und zur Stabilisierung des Bienenstocks. Für den Imker ist es interessant, weil es aromatisch und technisch nutzbar ist (z. B. Propolistinktur).
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
- Hauptsächlich in Spätfrühling bis Herbst, wenn vermehrt Harzquellen (Knospen, Rinden) vorhanden sind.
- Beste Erntezeit: Nach kräftiger Tracht, nicht während Hauptbrutphasen im Frühjahr (um Stress im Volk zu vermeiden).
- Kurzer Erntezeitraum: Metall- oder Kunststoffgitter werden meist 1–3 Wochen eingesetzt, je nach Aktivität der Völker.
Hauptmethoden zur Gewinnung von Propolis
1. Propolisgitter (Kittharzgitter)
Das gängigste Verfahren: Ein feines Kunststoff- oder Metallgitter wird als Abdeckung zwischen Rähmchen oder als Aufsatz in die Beute gelegt. Die Bienen kitten die Gitterminiaturen zu und füllen Spalten mit Propolis.
- Vorteile: Saubere (relativ wenig Verunreinigung), einfache Entnahme, geringere Belastung der Völker.
- Nachteile: Anschaffungskosten, Ertrag variiert stark mit Volk und Standort.
- Entnahme: Gitter herausnehmen, einfrieren (–18 °C) oder kurz in den Tiefkühler legen; danach lässt sich das brüchige Propolis leicht abklopfen oder abschütteln.
2. Abkratzen von Rähmchenleisten und Beutenrändern
Traditionelle Methode: Propolis von Rähmchenleisten, Zargenstößen und Deckeln abkratzen.
- Vorteile: Kein zusätzliches Zubehör nötig, sofortige Gewinnung.
- Nachteile: Höhere Verunreinigung (Wachs, Holzspäne, ggf. Bienenreste), mehr Arbeit, größerer Stress für das Volk.
- Wichtig: Nur sparsam und gezielt entnehmen, um die Bienen nicht übermäßig zu stören.
3. Weichere Hilfsmethoden (Käsematten, Silikonmatten)
Flexible Silikon- oder Kunststoffmatten werden in die Beute gelegt. Nach Verkitten lassen sie sich aus dem Stock entnehmen und das Propolis abziehen oder nach Einfrieren biegen.
Ertragszahlen und Einflussfaktoren
Der Ertrag pro Volk liegt stark schwankend zwischen wenigen Gramm bis zu 50 g pro Volk und Saison. Einflussgrößen sind:
- Trachtenangebot und lokale Harzquellen
- Genetik des Volkes (manche Stämme kitten stärker)
- Beutentyp und verwendetes Gittermaterial
- Zeitpunkt und Häufigkeit der Ernte
Reinigung und Aufbereitung von Rohpropolis
Rohpropolis enthält oft Wachs, Holzpartikel oder Insektenreste. Reinigung ist wichtig vor Weiterverarbeitung:
- Einfrieren: Propolis wird brüchig und leichter zu zerkleinern.
- Grobreinigung: Mit einem Messer oder Reibe grobe Verunreinigungen entfernen.
- Sieben: Gefrorenes Material durch grobe Siebe reiben, um Fremdstoffe zu trennen.
- Schmelzen (vorsichtig): Propolis bei niedriger Temperatur in einem Wasserbad schmelzen; feste Verunreinigungen sammeln sich und können entfernt werden. Kein direktes Erhitzen über 60–70 °C, damit Wirkstoffe nicht beschädigt werden.
Weiterverarbeitung: Tinktur, Pulver, Salbe
Die gebräuchlichste Verarbeitung ist die alkoholische Extraktion (Tinktur):
- Typisches Rezept: 1 Teil zerkleinertes Propolis auf 5–10 Teile 70%igen Ethanol (z. B. 1:5 oder 1:10). In einem verschlossenen Gefäß 2–4 Wochen bei gelegentlichem Schütteln ziehen lassen.
- Filtration: Durch Kaffeefilter oder Sefilter, dann in dunkle Tropffläschchen abfüllen.
- Alkoholfreie Alternativen: Glycerinextrakte (weniger effizient) oder Warmwasser-Extrakte für kosmetische Anwendungen; Ergebnisse sind aber unterschiedlich.
- Salben/Halbfeste Zubereitungen: Gereinigtes Propolis mit Pflanzenöl und Bienenwachs einarbeiten.
Lagerung und Qualitätssicherung
- Trocken, dunkel, luftdicht: Glasbehälter sind ideal.
- Kühl lagern (Kühlschrank oder Gefrierfach) verlängert Haltbarkeit.
- Auf Reinheit achten: Kennzeichnung mit Erntedatum und Herkunft ist sinnvoll.
Nachhaltigkeit und Bienenschutz
Bei der Gewinnung von Propolis gilt: Volksschutz vor Ertrag. Vermeiden Sie zu häufiges oder zu radikales Entfernen, besonders in kalten Regionen oder vor dem Winter. Nutzen Sie Propolisgitter gezielt und nur so lange, wie die Bienen aktiv arbeiten.
Rechtliche Hinweise kurz
Wer Propolis verkauft, sollte lebensmittelrechtliche und kosmetische Kennzeichnungsvorgaben beachten und keine gesundheitsbezogenen Heilversprechen machen. Bei Unsicherheit lokale Behörden oder Fachverbände (z. B. Imkerverein, LWG Bayern) konsultieren.
Praxis-Checkliste: Gewinnung von Propolis (Kurzfassung)
- Material: Propolisgitter oder Silikonmatte, Messer, Gefrierfach, Siebe, Alkohol (für Tinktur).
- Zeitpunkt: Nach Tracht, nicht während Brutspitzen.
- Ernte: 1–3 Wochen Einsatz des Gitters, dann einfrieren und entnehmen.
- Verarbeitung: Einfrieren → grobe Reinigung → Extraktion (Ethanol oder Glycerin).
- Lagerung: Dunkel, kühl, luftdicht; beschriften.
Fazit: Die Gewinnung von Propolis ist mit relativ geringem Aufwand möglich und liefert einen vielseitig nutzbaren Naturstoff. Mit bedachter Vorgehensweise, schonenden Methoden und korrekter Verarbeitung erhalten Sie hochwertigen Rohstoff, ohne die Bienenvölker zu gefährden.