Begrünung Garagendach: Schritt-für-Schritt zur langlebigen, pflegeleichten Dachbegrünung
Eine Begrünung des Garagendachs bietet Schutz für die Dachhaut, verbessert das Mikroklima und wertet Ihr Grundstück optisch auf. In diesem Praxisleitfaden erfahren Sie, welche Voraussetzungen nötig sind, welche Systeme es gibt und wie Sie die Begrünung nachhaltig umsetzen.
Warum eine Begrünung des Garagendachs sinnvoll ist
Die Begrünung des Garagendachs bringt mehrere Vorteile: Sie verlängert die Lebensdauer der Dachabdichtung, speichert Regenwasser, reduziert sommerliche Aufheizung und schafft Lebensraum für Insekten. Besonders bei Flach- oder leicht geneigten Dächern ist eine Begrünung eine effiziente und vergleichsweise günstige Maßnahme zur Aufwertung des Hauses.
Welche Begrünungsarten für Garagendächer gibt es?
- Extensive Begrünung – geringes Substrat (4–12 cm), niedrige Pflanzen wie Sedum, moosartige Pflanzen; sehr pflegeleicht und leichtgewichtig. Geeignet für die meisten Garagendächer.
- Semierensive Begrünung – mittlere Substrattiefe (10–20 cm), Mischung aus Gräsern und Stauden; etwas mehr Pflege und Gewicht.
- Intensive Begrünung – tiefer Substrataufbau (>20 cm), strauchige oder sogar baumartige Bepflanzung; nur bei ausreichender statischer Tragfähigkeit sinnvoll.
Technischer Aufbau: Was gehört in die Schichtenfolge?
Ein typischer Schichtaufbau (von oben nach unten) für eine extensive Begrünung:
- Pflanzschicht / Vegetationsschicht (Sedum-Matten, Saat oder Stecklinge)
- Substrat (Mineralisches Substrat, 4–12 cm je nach System)
- Filtervlies (Verhindert Verschlämmung der Drainage)
- Drainageschicht (Speichert Wasser und leitet überschüssiges Wasser ab)
- Schutzlage / Wurzelfestigkeit (Wurzelschutzfolie bei Bedarf)
- Dachabdichtung (bituminös oder Kunststoff; muss wurzelfest sein)
- Tragkonstruktion (Betondecke oder Holzbalken mit ausreichender Lastreserve)
Worauf müssen Sie bei der Statik und Abdichtung achten?
Bevor Sie mit der Begrünung beginnen, prüfen Sie folgende Punkte:
- Tragfähigkeit: Klären Sie mit einem Statiker, ob das Garagendach die zusätzliche Nutzlast (nasses Substrat, Pflanzen, Menschen) tragen kann. Extensivsysteme wiegen trocken oft 40–80 kg/m², nass deutlich mehr.
- Dachabdichtung: Die Abdichtung muss intakt und wurzelfest sein. Bei älteren Dächern ist ein Austausch sinnvoll.
- Entwässerung: Freie Ablaufstellen bzw. kontrollierte Überläufe sind wichtig, damit kein Wasser unter die Abdichtung gelangt.
Planungsschritte für die Begrünung Garagendach (Übersicht)
- Bestandsaufnahme: Zustand der Abdichtung, Neigung, Tragschicht, Anschlüsse.
- Statik prüfen lassen und Genehmigungsbedarf klären (denn nicht überall ist eine Genehmigung nötig).
- System wählen: Fertigmatten (Sedum‑Matten) vs. Schichtaufbau mit Substrat und Saat.
- Materialbeschaffung: Drainageelemente, Filtervlies, Substrat, Vegetationsmatten.
- Ausführung: Abdichtung prüfen, ggf. Wurzelschutz anbringen, Aufbau der Schichten, Begrünung aufbringen.
- Pflege: Erste Monate intensiver kontrollieren, später jährliche Kontrolle und Nachpflege.
DIY oder Profi? Vor- und Nachteile
Viele Heimwerker realisieren eine Begrünung des Garagendachs selbst – besonders mit Fertigmatten ist das einfach. Vorteile DIY: günstigere Kosten, flexible Termine. Nachteile: Fehler bei Abdichtung oder Anschluss können teuer werden. Bei Unsicherheit oder bei komplexen Anschlüssen (Gauben, Attika, Dachabläufe) empfiehlt sich ein Fachbetrieb.
Pflege und Wartung
- In den ersten 1–2 Jahren häufiger gießen (bei extremer Trockenheit) und Unkraut entfernen.
- Jährlich: Kontrolle der Dachabläufe, Entfernung abgestorbener Pflanzenteile, ggf. Nachdüngung mit speziellem Langzeitdünger.
- Alle 5–10 Jahre: Substratkontrolle und punktuelle Auffüllungen bei Ausdünnung.
Kosten und Fördermöglichkeiten
Die Kosten für eine extensive Begrünung liegen je nach System zwischen ca. 30 und 120 EUR/m² (Material und Einbau). Eine einfache Selbstmontage mit Fertigmatten ist am günstigsten; eine komplette Neuabdichtung plus Begrünung durch den Profi erhöht die Kosten deutlich.
Viele Gemeinden und Bundesländer fördern Dachbegrünungen, insbesondere wenn Regenrückhalt oder Artenschutzaspekte berücksichtigt werden. Informieren Sie sich bei Ihrer Kommune oder beim Land über mögliche Zuschüsse (z. B. Verbraucherzentrale NRW).
Geeignete Pflanzen für das Garagendach
Für flache Garagendächer empfehlen sich robuste, trockenheitsresistente Arten:
- Sedum-Arten (Hauswurz-Verwandte)
- Sukkulente Mischungen (für sehr flache Substrate)
- Gräser und niedrig bleibende Stauden (bei etwas tieferem Substrat)
- Blühende Mischungen zur Förderung von Insekten
Fertige Sedum-Matten sind besonders für die DIY-Begrünung beliebt, weil sie schnell schließen und wenig Pflege brauchen.
Häufige Fragen (Kurzantworten)
- Brauche ich eine Genehmigung? In der Regel nicht, allerdings können lokale Bebauungspläne oder Denkmalschutz Ausnahmen erfordern. Klären Sie dies bei der Gemeinde.
- Wie viel Gewicht kommt auf das Dach? Extensivbegrünungen: ca. 40–120 kg/m² (trocken bis nass). Statiker prüfen die zulässige Zusatzlast.
- Ist die Begrünung winterfest? Ja. Viele Sedum-Arten überstehen Frost gut.
Praktische Tipps zum Start
- Beginnen Sie im Frühling oder Frühsommer – junge Pflanzen etablieren sich besser.
- Nutzen Sie fertige Systeme (Matten oder Modulplatten) für schnelle Ergebnisse.
- Installieren Sie Kontrollpunkte (z. B. erhöhte Abläufe), um Wasserstau zu vermeiden.
- Halten Sie eine kleine Probezone frei, um verschiedene Pflanzenmischungen zu testen.
Weiterführende Links und Quellen
Mehr Informationen und Anleitungen finden Sie bei Herstellern und Ratgebern: Hornbach Gründach-Anleitung, Zinco Garagenpaket und Verbraucherzentrale.
Fazit
Die Begrünung von Garagendächern ist eine nachhaltige, oft wirtschaftliche Maßnahme mit vielen ökologischen und praktischen Vorteilen. Mit guter Planung, passendem System und regelmäßiger Kontrolle lässt sich aus einem einfachen Garagendach eine langlebige, pflegearme grüne Fläche machen — sei es als DIY-Projekt mit Sedum-Matten oder als professionell ausgeführtes Gründach inklusive neuer Abdichtung.