Olivenbaum Krankheiten: Erkennen, Vorbeugen und wirksam Bekämpfen
Olivenbäume sind robust, aber nicht unverwundbar. Dieser Leitfaden erklärt die häufigsten Olivenbaum Krankheiten, zeigt typische Symptome und gibt praxisnahe Maßnahmen zur Vorbeugung und Behandlung — von Augenflecken über Olivenkrebs bis zum gefürchteten Xylella-Erreger.
Olivenbaum krankheiten können Hausgärten, Kübelpflanzen und Plantagen betreffen. Rechtzeitiges Erkennen und die richtigen Gegenmaßnahmen verhindern Ertragsverluste und einlangende Schäden. Im folgenden Ratgeber finden Sie die wichtigsten Krankheiten, typische Symptome, Ursachen sowie praktische Bekämpfungs- und Vorbeugungsmaßnahmen.
Die häufigsten Krankheiten (Übersicht)
- Augenfleckenkrankheit (Spilocaea oleaginea / Cycloconium oleaginum) – auch Pfauenaugenkrankheit genannt: Blattflecken, später Blattfall.
- Olivenkrebs (Pseudomonas savastanoi) – bakterielle Knotenerkrankung an Zweigen und Stamm.
- Xylella fastidiosa / Olive Quick Decline Syndrome (OQDS) – aus der Gruppe der Gefäßbakterien: Absterben von Astpartien, eventuell Baumverlust; meldepflichtig/Quarantäneverdacht.
- Anthraknose (Colletotrichum spp.) – Frucht- und Blattbefall, führt zu Fruchtfäule und Ertragsverlust.
- Wurzelfäule (Phytophthora spp., Armillaria spp.) – Welke, braune Wurzeln, Baum schrumpft.
- Verticillium-Welke (Verticillium dahliae) – einjährige oder partielle Welke, oft asymmetrisch.
- Weitere Pilze und Sprosskrankheiten – z. B. Septoria/Cercospora; selten aber möglich.
Typische Symptome und wie man sie unterscheidet
- Blattflecken und vorzeitiger Blattfall: Meist Pilzerreger wie Augenflecken oder Cercospora. Typisch sind dunkle, runde Flecken mit hellem Zentrum (Pfauenauge).
- Knollen/Knoten an Zweigen: Bei Olivenkrebs entstehen knotige Verdickungen, oft mit Harzbildung. Häufig durch Verletzungen begünstigt.
- Asymmetrische Welke einzelner Zweige: Verticillium zeigt oft einseitige Vergilbung und Welke.
- Allmähliches Absterben großer Baumteile: Bei Xylella oder schweren Wurzelkrankheiten. Bei Verdacht auf Xylella unbedingt melden (siehe Behörden).
- Fruchtfäule / matschige Oliven: Anthraknose (Colletotrichum) verursacht schrumpelige, schwarze Früchte.
Ursachen und Risikofaktoren
Krankheiten entstehen nicht zufällig: Schwache Bäume, Staunässe, Verletzungen durch falschen Schnitt, ungünstige Standortbedingungen (zu feucht, zu wenig Licht), enge Kulturführung und Schädlingsbefall (z. B. die Olivenfruchtfliege) begünstigen Infektionen. Viele Pilze verbreiten sich durch Spritzwasser und hohe Luftfeuchte.
Vorbeugung: Die wichtigsten kulturellen Maßnahmen
- Standortwahl: Gut durchlässiger Boden, sonniger Standort und gute Luftzirkulation reduzieren Pilzdruck.
- Richtig gießen: Staunässe vermeiden. Im Kübel Anschluss an Drainageschicht und nur nach Bedarf gießen.
- Sauberkeit und Hygiene: Abgefallene Blätter und befallene Früchte auflesen und entfernen, Werkzeug desinfizieren.
- Richtig schneiden: Lüften der Krone, tote und kranke Äste entfernen — am besten trockenes Wetter wählen und Schnittwunden sauber schneiden.
- Resistente Sorten wählen: Einige Sorten sind weniger anfällig (sortenabhängig). Beim Neukauf auf Robustheit achten.
Bekämpfung: Praktisch und rechtlich korrekt
Die Wahl der Maßnahme hängt vom Erreger ab:
- Augenflecken: Im Hobbygarten lässt sich die Krankheit mit Kupferspritzungen (z. B. Kupferpräparate/Bordeaux) und einer guten Nährstoffversorgung eindämmen. Entfernen stark befallener Blätter.
- Olivenkrebs: Befallene Triebe großzügig bis ins gesunde Holz zurückschneiden, Wunden sauber behandeln; Kupferhaltige Spritzmittel können vorbeugend wirken.
- Anthraknose: Sanitäre Maßnahmen (infizierte Früchte entfernen), Erntehygiene und bei Bedarf zugelassene Fungizide; bei starkem Befall Ernteeinbußen einkalkulieren.
- Wurzelfäulen / Phytophthora: Bodenverbesserung, Drainage, weniger gießen; Phosphonate (z. B. Kalium-, Natrium- oder Aminophosphonate) können in schwierigen Fällen helfen — ggf. Beratung/Anwendung durch Fachbetrieb.
- Xylella fastidiosa: Keine Bekämpfung möglich. Bei Verdacht sofort Meldung an die zuständigen Behörden (meldepflichtig). Entfernen und Quarantäne-Maßnahmen können angeordnet werden. (Weiterführende Infos: Wikipedia: Olivenbaumsterben / Xylella).
Natürliche Mittel und ökologischer Anbau
Biologische Maßnahmen sind oft wirksam zur Prävention: Kupferpräparate sind in vielen ökologischen Systemen zugelassen (mit Begrenzung der Einsatzmenge), Neem-Öl und biologische Fungizide können unterstützend wirken. Außerdem: Nützlinge fördern, Fruchtfliegenfallen verwenden und geschwächte Bäume durch organische Düngung stärken.
Diagnose und Probenahme: Wann zum Experten?
Bei unklaren Symptomen oder Verdacht auf Quarantäne-Erreger (Xylella) sollten Sie eine qualifizierte Diagnose anstreben. Bei Probenahme:
- Mehrere Proben unterschiedlicher Pflanzenteile (Blätter, Zweige, Rinde) sammeln.
- Frisch befallenes Material luftdicht verpacken und rasch einsenden.
- Kontakt zur Landesanstalt für Pflanzenbau oder einem Pflanzenschutzdienst aufnehmen.
Praktischer Saisonkalender (Kurz)
- Frühjahr: Kontrolle auf Blattflecken, Auslichten der Krone, bei Bedarf erste Fungizidspritzung.
- Sommer: Bei Trockenheit gezielt wässern, Fruchtüberwachung (Anthraknose, Fruchtfliege).
- Herbst: Laub entfernen, Erntehygiene, ggf. Bodenpflege.
- Winter: Rückschnitt in trockener Witterung, Wundversorgung, Pflanzenstärkung.
Wichtige Hinweise und Rechtliches
Bei Verdacht auf meldepflichtige Erreger (z. B. Xylella fastidiosa) besteht Meldepflicht — handeln Sie nicht allein, sondern informieren Sie die zuständigen Behörden. Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer Zulassung, Dosierung und Wartezeiten beachten.
Fazit
Olivenbaum krankheiten sind in vielen Fällen mit gesunder Kulturführung, Hygiene und gezielten Maßnahmen gut beherrschbar. Bei schweren oder ungewöhnlichen Symptomen ist eine fachliche Diagnose wichtig — insbesondere wegen meldepflichtiger Erreger wie Xylella. Mit regelmäßiger Kontrolle, passenden Sorten und angepasster Pflege bleibt Ihr Olivenbaum gesund und ertragreich.
Weiterführende Links und Quellen: Wikipedia: Olivenbaumsterben (Xylella), Informationen zu Pflanzenschutz und Meldepflicht finden Sie bei Ihrem Bundesamt für Verbraucherschutz oder der örtlichen Landwirtschaftsbehörde.