Vom Acker zur Rolle: So entsteht hochwertiger Rollrasen
Ein grüner, sattdichter Rasen in wenigen Stunden? Rollrasen macht es möglich — doch seine Herstellung ist ein präziser landwirtschaftlicher Prozess. Dieser Artikel erklärt Schritt für Schritt, welche Arbeitsschritte, Maschinen und Qualitätskontrollen erforderlich sind, damit perfekter Fertigrasen auf Ihre Rolle kommt.
Kurzer Überblick: Was ist Rollrasen und warum lohnt sich seine Herstellung?
Rollrasen (Fertigrasen) ist vorgezogener Rasen, der als fertige Grasmatte abgestecht, transportiert und auf der Zielfläche ausgerollt wird. Die Herstellung kombiniert agronomisches Wissen, Technik und Qualitätsmanagement, um eine gleichmäßige, belastbare Grasnarbe mit dichter Verwurzelung zu produzieren.
1. Auswahl des Saatguts und Mischungen
Die Grundlage für hochwertigen Rollrasen ist die richtige Rasensamenmischung. Je nach Verwendungszweck (Zierrasen, Spiel- & Sportrasen, Schattenrasen) werden unterschiedliche Gräser kombiniert, z. B. Festuca rubra (Schwingel), Poa pratensis (Wiesenrispe) und Lolium perenne (Lägerrispe). Qualitätssaatgut mit hoher Keimfähigkeit und freier von Unkrautsamen ist entscheidend.
2. Bodenbearbeitung und Standortvorbereitung
Vor der Aussaat wird der Ackerboden intensiv vorbereitet:
- Bodenbearbeitung mit Scheibenegge, Pflug oder Fräse zum Zerkleinern von Pflanzenresten.
- Bodenlockerung und Feinplanum, damit die Rasennarbe später gleichmäßig wächst.
- Bodenanalyse (pH-Wert, Nährstoffe) und ggf. Kalk- oder Nährstoffzugabe.
Ein gut vorbereitetes Substrat fördert Keimung und dichte Verwurzelung.
3. Aussaat und Ansaatpflege
Die Aussaat erfolgt meist maschinell mit Vier- oder Sechstreihen-Sämaschinen, um die Verteilung gleichmäßig zu halten. Bei vielen Rollrasenproduzenten findet die Hauptaussaat im Herbst statt, weil Unkrautdruck dann geringer ist und die Keimbedingungen stabil sind.
Nach der Aussaat sind wichtige Pflegearbeiten:
- Regelmäßige, schonende Bewässerung zur Keimung.
- Erste leichte Schnitte, um Tillering (Buschbildung) der Gräser anzuregen.
- Auflockernde Maßnahmen gegen Filzbildung und Ungräser.
4. Düngung, Bewässerung und Schädlingsmanagement
Ein abgestimmtes Düngekonzept (Basis- und Nachdüngung) sichert gleichmäßiges Wachstum. Bewässerung ist während der Aufzuchtphase besonders wichtig — viele Betriebe setzen computergesteuerte Beregnungsanlagen ein, um Wasser optimal zu dosieren.
Biologische und integrierte Maßnahmen gegen Pilze, Moos und Schädlinge werden je nach Befall kombiniert mit Pflanzenschutzmitteln eingesetzt. Gute Kulturbereinigung und Fruchtfolge reduzieren Probleme von vornherein.
5. Schnitt- und Pflegeintervalle
Der Rasen wird während der Kultur regelmäßig gemäht — zunächst häufiger und später mit engeren Schnitthöhen, um eine dichte Matte zu erzeugen. Maschinen hierfür sind robuste Aufsitzmäher und Spezialwalzen, die die Grasnarbe verdichten und ebnen.
6. Ernte: Abstechen der Rollen
Erst wenn die Grasnarbe kräftig verwurzelt und gleichmäßig ist (meist nach 10–18 Monaten, abhängig von Sorte und Klima), erfolgt die Ernte. Spezielle Rollrasenabstechmaschinen schneiden die Grasmatte in definierten Breiten (z. B. 40–50 cm) und Längen und heben die Rollen mit minimalem Wurzelschaden.
Wichtige Punkte bei der Ernte:
- Ernte nur bei günstiger Witterung — kein Ernte bei Frost oder starker Nässe.
- Schneller Transport und kurzes Zwischenlagern (evtl. gekühlt), um Wasserverlust zu minimieren.
7. Qualitätskontrolle und Zertifizierungen
Qualitätskriterien sind: dichte Grasnarbe, gleichmäßige Farbe, geringe Unkraut- oder Moosanteile, ausreichende Wurzelmasse und schadenfreie Rollen. Viele Hersteller sind Mitglied im Deutschen Rollrasen-Verband oder verfügen über eigene Prüfsysteme. Weitere Informationen bietet der Deutscher Rollrasen-Verband: rollrasen-verband.de.
8. Transport und Lieferung
Rollrasen wird in Gitterwagen oder auf Paletten geladen und binnen kurzer Zeit an Kunden ausgeliefert. Optimierte Logistik ist entscheidend, damit die Rollen frisch und mit ausreichender Feuchte ankommen. Bei Großprojekten koordinieren Produzenten und Verleger mehrere Lkw-Ladungen zeitlich exakt.
9. Umweltaspekte und Nachhaltigkeit
Moderne Betriebe achten auf Ressourcenschonung: präzise Bewässerung, Reduktion chemischer Pflanzenschutzmittel, Förderung der Biodiversität entlang der Felder und Einsatz erneuerbarer Energien. Eine nachhaltige Produktion senkt CO2 und schont Wasser.
10. Vergleich: Rollrasen vs. Ansaat
- Rollrasen: schneller nutzbarer Rasen (Tage/Wochen), höhere Anfangskosten, sofort sichtbares Ergebnis.
- Ansaat: günstiger, mehr Arbeit und Geduld erforderlich, natürlichere Verwurzelung über längere Zeit.
11. Kosten, Zeitrahmen und typische Probleme
Herstellungskosten variieren stark nach Region, Saatmischung und Pflegeintensität. Für Endkunden liegt der Quadratmeterpreis für verlegten Rollrasen häufig höher als bei DIY-Aussaat, bietet dafür aber Planbarkeit und sofortige Nutzung. Probleme in der Produktion sind vor allem Unkrautdruck, Witterungseinflüsse, Pilzbefall und logistische Verzögerungen — gute Planung und Qualitätssicherung minimieren diese Risiken.
Fazit
Die Herstellung von Rollrasen ist ein komplexer Prozess, der Saatgutqualität, fachgerechte Bodenbearbeitung, intensive Pflege, präzise Ernte und effiziente Logistik vereint. Für Bauherren, Landschaftsgärtner und Kommunen bietet Rollrasen eine schnelle, verlässliche Lösung für attraktive und belastbare Grünflächen. Wer mehr über die praktische Produktion sehen möchte, findet anschauliche Videos und Produktionsberichte, z. B. bei YouTube-Produktionsvideos oder auf spezialisierten Herstellerseiten wie rollrasen-fonk.de.