Silieren: Schritt-für-Schritt zur optimalen Silage – Technik, Fehler vermeiden und Praxis-Tipps
Silieren ist zentral für die Futterwirtschaft: richtig gemacht sichert es Nährstoffe, vermindert Verluste und schützt Tiere vor Schadkeimen. Dieser Praxisleitfaden erklärt, wie Silage gelingt – vom Erntezeitpunkt bis zum Futtertisch.
Was bedeutet silieren?
Silieren ist die Konservierung von Grünfutter, Mais, Leguminosen oder ganzen Pflanzen durch anaerobe Gärung. Milchsäurebakterien wandeln Zucker in Milchsäure um, der pH-Wert fällt und das Futter wird haltbar. Detaillierte Grundlagen finden Sie u. a. bei Wikipedia.
Warum silieren? Die Vorteile auf einen Blick
- Nährstofferhalt: Durch schnelle Ansäuerung bleiben Proteine und Energie weitgehend erhalten.
- Ganzjährige Fütterung: Vorrat für Zeiten ohne frisches Grünfutter.
- Flexibilität bei Ernte und Arbeitsplanung.
- Geringere Futterverluste gegenüber schlechter Lagerung von Frischfutter.
Wann ist der richtige Erntezeitpunkt?
Der Erntezeitpunkt richtet sich nach Kulturart und gewünschtem Reifegrad:
- Gras: Ziel-Trockenmasse (TM) etwa 30–40 % für Silo oder 40–55 % für Rundballenwickelsilage (je nach Technik).
- Maissilage: Optimal oft 30–35 % TM (Abreifekorn etwa 30–35 % TM; Milchreife beachten).
- Leguminosen/ Luzerne: häufiger etwas trockener ernten (35–45 % TM) wegen niedrigem Zuckeranteil und Gefahr für Clostridien.
Zu frühe Ernte (zu nass) fördert Buttersäuregärung; zu spätere Ernte reduziert Energiegehalt und Verdichtung.
Schnittlänge und Häckseltechnik
Die richtige Schnittlänge unterstützt Verdichtung und Fermentation:
- Grashäcksel: 10–30 mm, je nach Zerkleinerer und Futtertierziel.
- Maishäcksel: 5–25 mm (kurzer Schnitt für bessere Verdichtung und Packung).
Gute Zerkleinerung reduziert Luftporen und erleichtert die Dichtung gegen Sauerstoff.
Verdichtung, Abdeckung und Siloarten
Ziel: Sauerstoff vollständig entfernen. Das gelingt durch schnelle, gleichmäßige Verdichtung und luftdichte Abdeckung.
- Bunkersilo/ Silostock: Mehrschichtiges Abfahren, Quaderförmiger Aufbau, Randfolie zum Schutz.
- Hofsilo/Rundballen: Ballenpressen mit ausreichendem TM, sofort wickeln.
- Silagebeutel/ Silagefolie: Gut bei kleinem Betrieb, sauberer Verschluss wichtig.
Unmittelbar nach Beladen mit schwerer Feld- oder Radladetechnik überfahren, Ränder sorgfältig zuschneiden und mit schwerer Folie (mind. 0,2 mm) abdecken; Randgewichte und zusätzliche Schutznetze verhindern Luftzutritt.
Gärverlauf und Wartezeit
Typischer Ablauf:
- Phase 1 (0–3 Tage): Sauerstoffverbrauch durch Atmung und aerobe Mikroorganismen, Bildung von Wärme und CO2.
- Phase 2 (3–21 Tage): Milchsäuregärung; pH-Wert sinkt schnell.
- Phase 3 (ab ca. 3–6 Wochen): Stabilisation; Silage ist lagerfähig.
Empfehlung: Mindestens 6–8 Wochen Gärzeit, bei Gras oft 8–10 Wochen, bevor umfangreich gefüttert wird.
Additive: wann und welche?
Additive können Gärqualität verbessern, sind aber kein Ersatz für sorgfältige Ernte und Dichtung:
- Milchsäurebakterien (homofermentativ, z. B. Lactobacillus plantarum): fördern schnelle Ansäuerung.
- L. buchneri (heterofermentativ): erhöht aerobe Stabilität, vermindert Erwärmung nach Öffnen.
- Säuren (z. B. Ameis- oder Propionsäure): chemische Hemmung von unerwünschten Keimen, rechtliche Hinweise und Sicherheit beachten.
Dosierung und Produktauswahl nach Herstellerangaben und Laborberatung. Weitere Infos bei Anbietern wie BayWa oder Fachberatern.
Häufige Probleme und wie man sie vermeidet
- Zu nass: Risiko für Clostridien -> Buttersäure, schlechte Gerüche, Nährstoffverluste. Abhilfe: anwelken, Silierhilfsmittel, schnelles Verdichten.
- Zu trocken: schlechte Verdichtung, Lufttaschen -> Schimmel und Hefen. Abhilfe: früher schneiden, kürzer häckseln.
- Unzureichende Abdeckung: aerobes Verderb -> Folgeschäden an Rändern. Abhilfe: Folie + Randgewichte + Randpflege.
- Futterselektion durch Tiere: zu grobe Struktur kann Sortieren verursachen. Abhilfe: passende Schnittlänge, Mischfütterung.
Sicherheits- und Umwelthinweise
- Silogase (vor allem CO2, gelegentlich giftige Gase) können gefährlich sein — nie allein in verschlossene Silos einsteigen, gute Belüftung sicherstellen.
- Silageabwasser (Silageeffluent) ist stark belastet und darf nicht ungeklärt ins Oberflächenwasser gelangen; Auffang- und Ableitungssysteme nutzen.
Qualitätskontrolle und Fütterung
Regelmäßige Analysen (Trockenmasse, pH, Ammoniakstickstoff, Fettsäuren) helfen, Qualität und Verluste zu beurteilen. Hinweise und Rechtschreibung zum Begriff finden Sie u. a. im Duden.
Kurze Praxis-Checkliste für die Ernte
- Wetterlage prüfen: Trockenfenster nutzen.
- TM bestimmen (Feldprüfgerät oder Labor).
- Schnittlänge und Häcksler einstellen.
- Schnell und gleichmäßig einlagern und sofort verdichten.
- Sofort und luftdicht abdecken, Ränder versiegeln.
Weiterführende Links
Mit diesen Grundlagen und der genannten Checkliste lässt sich die Silagequalität deutlich verbessern. Bei spezifischen Fragestellungen (z. B. regionale Bedingungen, spezielle Kulturarten oder additive Auswahl) lohnt sich eine Beratung durch den Landtechnik-Fachhandel oder ein Futtermittelanalytiker.