Stickstoffmangel bei Cannabispflanzen erkennen und beheben: Ursachen, Symptome und praxisnahe Lösungen
Stickstoff ist eines der Schlüsselnährstoffe für gesundes Pflanzenwachstum. Bei Cannabispflanzen führt ein Mangel häufig zu Gelbverfärbungen, Wachstumsstau und Ertragsverlusten. Dieser Artikel erklärt, wie du Stickstoffmangel erkennst, sicher diagnostizierst und mit kurz- und langfristigen Maßnahmen behandelst — inklusive pH-, EC- und Düngertipps. Prüfe vor Maßnahmen lokale Gesetze zum Anbau.
Stickstoff (N) ist essenziell für die Bildung von Chlorophyll, Aminosäuren und Proteinen. Fehlt er, sinkt die Fotosyntheseleistung und das gesamte Pflanzenwachstum leidet. Besonders wichtig: In der Blütephase wird ein gewisser Rückgang des Stickstoffbedarfs normal, doch deutliche Mangelerscheinungen sind vermeidbar und behandelbar.
Typische Symptome von Stickstoffmangel
- Gelbe Verfärbung (Chlorose) zuerst an älteren, unteren Blättern
- Blattadern bleiben oft noch leicht grün, Blattflächen vergilben
- Verkürztes, langsam wachsendes Erscheinungsbild; dünnere Stängel
- Frühzeitiger Blattfall und geringere Blattgröße
- In schwereren Fällen reduzierte Harz- und Blütenbildung
Ursachen: Warum tritt Stickstoffmangel auf?
- Unzureichende Düngung oder falscher Düngeplan (zu geringe N-Gaben in der Wachstumsphase)
- pH-Werte, die N-Aufnahme blockieren (zu sauer oder zu alkalisch)
- Wasserschäden, Spülung (flushing) oder Auswaschung nach starkem Gießen/Regen
- kalter oder verdichteter Boden, in dem Mikroben Stickstoff nicht verfügbar machen
- Nährstoffkonkurrenzen (z. B. hoher Kalzium- oder Magnesiumgehalt) oder niedrige Kationenaustauschkapazität
- Wurzelprobleme wie Wurzelfäule, Schädlinge oder Sauerstoffmangel
Diagnose: Wie du sicherstellst, dass es wirklich Stickstoffmangel ist
Nicht jede Gelbfärbung bedeutet Stickstoffmangel. So gehst du methodisch vor:
- Beurteile die Verteilung: Beginnt die Vergilbung an unteren Blättern? Dann ist N wahrscheinlicher. Beginnt sie an den Spitzen oder jungen Blättern, denk an andere Probleme.
- Prüfe pH-Wert von Substrat oder Nährlösung (empfohlen: Boden/potting mix 6,0–6,8; Hydro/Soilless 5,8–6,2).
- Messe EC/PPM der Nährlösung oder des Bodenausflusses, um Über- oder Unterversorgung zu erkennen.
- Inspektiere Wurzeln auf Fäulnis und Schädlinge.
- Wenn möglich: einfacher Bodentest (Nmin/Nitrate) oder Blatt-Analysen bei Unsicherheit.
Sofortmaßnahmen bei akutem Stickstoffmangel
- Kurze Folientspritze (Blattspray) mit einer milden, wasserlöslichen Stickstoffquelle (z. B. Harnstoff-löslich oder organischer N-Flüssigdünger) als Sofortmaßnahme — nur als temporäre Lösung.
- Gib eine leichte Düngergabe mit einem N-lastigen Dünger (auf Herstellerangaben achten). Vermeide Überdosierung.
- Wenn pH abweicht: pH anpassen, denn richtige pH-Werte stellen die Aufnahme wieder her.
- Bei Hinweisen auf Wurzelfäule: Drainage verbessern, Wurzelschäden behandeln und ggf. Substrat austauschen.
Langfristige Strategien zur Vorbeugung
- Erstelle einen Düngeplan: In der vegetativen Phase brauchen Cannabispflanzen deutlich mehr Stickstoff. In der Blüte reduziere N schrittweise zugunsten von Phosphor und Kalium.
- Verbessere Bodenbiologie mit Kompost, Wurmhumus oder mykorrhizalen Zusätzen, damit organischer Stickstoff mineralisiert wird.
- Sorge für stabile pH-Werte und gute Belüftung des Substrats (Perlite, Kokos, lockere Erde).
- Verwende Langzeitdünger oder organische Stickstoffquellen (z. B. Blutmehl, Fischdünger, Hühnermist gut kompostiert) vorsichtig und gemäß Bedarf.
- Regelmäßiges Monitoring (Blattfarbe, Wuchs, EC, pH) verhindert, dass Mangel chronisch wird.
Düngertipps und N-Quellen
Auswahl je nach System (Erde, Kokos, Hydro):
- Wasserlösliche Mineraldünger mit hohem N-Anteil für schnelle Korrektur (z. B. NPK 20-10-10 in Wachstumsphase).
- Organische Quellen: Blutmehl, Fischmehl oder flüssiger Fischdünger arbeiten langsamer, verbessern Bodenleben und verhindern Peaks.
- Langzeitdünger (Pellets/Granulat) können Über- und Unterversorgungen reduzieren, erfordern aber Planung.
Vorsicht vor Überdüngung (Stickstofftoxizität)
Zu viel Stickstoff zeigt sich in tiefdunkelgrünen, glänzenden Blättern, Hitzestress, Verbrennungen der Blattspitzen und im Extremfall Wachstumsverzögerungen. Wenn du zu viel gegeben hast, spüle das Substrat mit pH-korrigiertem Wasser (nur wenn nötig) und reduziere die Düngergaben schrittweise.
Spezialfälle: Blütephase und bewusstes N-Management
In der Blüte ist ein moderater Rückgang des Stickstoffbedarfs normal, weil Energie in Blütenbildung fließt. Starker N-Mangel in der Blüte hingegen kann Ertrag und Qualität mindern. Passe Düngung deshalb dosiert an: weniger N, ausreichend P und K.
Praktische Checkliste: Schritt-für-Schritt
- Symptome fotografieren und dokumentieren (Position, Ausbreitung).
- pH und EC messen.
- Wurzeln prüfen und Substrat belüften.
- Leichte N-Düngung oder foliar spray als Ersthilfe.
- Langfristig Bodenbiologie verbessern und Düngeplan anpassen.
Weiterführende Ressourcen
Für tiefergehende Infos zu Nährstoffmängeln und kulturspezifischen Tipps kannst du Artikel und Anleitungen von spezialisierten Quellen lesen, z. B. Seiten wie Royal Queen Seeds oder allgemeine Gartenbaureferenzen wie die Royal Horticultural Society.
Abschließend: Identifiziere Ursache und Kontext, bevor du Maßnahmen ergreifst. Korrekte pH-Werte, ein abgestimmter Düngeplan und ein aktives Bodenleben sind die besten Mittel gegen Stickstoffmangel. Und nicht vergessen: Prüfe lokale Gesetze und handle verantwortungsbewusst.