Krankheiten Olivenbaum: Erkennen, Vorbeugen und Behandeln
Olivenbäume sind robust — doch auch sie bekommen Krankheiten. Dieser Beitrag zeigt die häufigsten Erreger, typische Symptome und praxistaugliche Maßnahmen, damit Ihr Olivenbaum lange gesund bleibt.
Warum Olivenbäume krank werden
Olivenbäume reagieren auf ungünstige Standorte, Pflegefehler oder Stress mit verminderter Vitalität. Krankheiten entstehen meist durch Pilze, Bakterien oder durch physiologische Störungen (Mangel, Frost, Salz). Häufig kommen mehrere Probleme gleichzeitig vor: etwa Wurzelschäden durch Staunässe zusammen mit Pilzbefall.
Die häufigsten Krankheiten und ihre Erkennung
1. Olivenblattflecken / Pfauenaugenkrankheit (Spilocaea oleaginea)
- Symptome: Dunkle, runde Flecken auf Blättern, oft mit gelbem Hof; starker Blattfall bei feuchter Witterung.
- Ursache: Pilz, Ausbreitung bei feuchter, kühler Witterung.
- Maßnahmen: Befallene Blätter entfernen, bessere Belüftung durch Auslichtung, bei starkem Befall gezielte Fungizidanwendungen (Kupferpräparate oder zugelassene Fungizide).
2. Olivenkrebs / Olive knot (Pseudomonas savastanoi)
- Symptome: Warzenartige Wucherungen an Zweigen und Stamm (Knollen), manchmal verkrüppelte Triebe.
- Ursache: Bakterium, Eindringen über Wunden.
- Maßnahmen: Befallene Äste großzügig schneiden und Verbrennungsreste entfernen; Schnittwunden so klein wie möglich halten; gegebenenfalls Kupferbehandlung im Frühjahr; Pflanzenstress vermeiden.
3. Xylella fastidiosa (Olivenbaumsterben / OQDS)
- Symptome: Gelbwerden und Absterben von Zweigspitzen, rasch fortschreitende Vergilbung, Baumsterben.
- Ursache: Bakterium, Übertragung durch Insekten (z. B. Zikaden). Keine kurative Behandlung bekannt.
- Maßnahmen: In betroffenen Regionen sind Meldepflicht und Quarantänemaßnahmen möglich — sofort Behörden informieren. Vorbeugend: resistente Sorten, Entfernung befallener Pflanzen, Kontrolle von Vektoren.
- Weiterführende Infos: Wikipedia: Olivenbaumsterben (Xylella)
4. Wurzelfäule (z. B. Phytophthora)
- Symptome: Vergilbung, Welke, schlechter Wuchs, braune Wurzeln; bei Kübelpflanzen oft tödlich.
- Ursache: Bodenpilze begünstigt durch Staunässe und schlechte Drainage.
- Maßnahmen: Standort mit besserer Drainage, Umtopfen bei Kübeln, Boden austrocknen lassen; in schweren Fällen Phosphonat-Präparate (gezielt, nach Zulassung) und fachliche Beratung.
5. Verticillium-Welke
- Symptome: Einseitiges Welken, Blattvergilbung, Absterben von Ästen.
- Ursache: Bodenpilz (Verticillium dahliae); sehr hartnäckig.
- Maßnahmen: Befallene Teile entfernen, Bodenwechsel bei Topf, resistente Unterlagen wählen; Vorbeugung durch gesunde Pflanzen.
6. Fruchtfäule / Anthraknose (Colletotrichum)
- Symptome: Braun-schwarze Flecken an Früchten, matschige Stellen, Fallobst.
- Maßnahmen: Entfernen befallener Früchte, hygienische Maßnahmen, Erntezeitpunkt beachten, bei Bedarf Fungizidbehandlung.
Weitere Probleme
- Nährstoffmängel: Chlorosen (z. B. Eisenchlorose) führen zu gelben Blättern mit grünen Adern.
- Frostschäden: Rindenplatzungen, schwarze Triebspitzen nach strengen Wintern.
- Schädlinge (z. B. Schildläuse, Wollläuse): Indirekt Krankheiten fördernd (z. B. durch Honigtau und Rußpilz).
Diagnose: so erkennen Sie die Ursache
- Genauer Blick: Blatt-, Rinden- und Wurzelbefund fotografieren und dokumentieren.
- Zeiten beachten: Pilzkrankheiten treten oft bei feuchtem Frühlingswetter auf; bakterielle Symptome zeigen sich als Wucherungen oder rasches Absterben.
- Laboranalyse: Bei rätselhaften oder meldepflichtigen Erregern (z. B. Xylella) unbedingt Proben an eine Pflanzenuntersuchungsstelle schicken.
Behandlung: was wirkt wirklich?
Bei Pilzen helfen Maßnahmen, die Feuchtigkeit verringern und die Sporenverbreitung hemmen: Auslichten, Befallsherde entfernen, Bodendrainage verbessern. Bei Bedarf sind zugelassene Fungizide oder Kupferpräparate wirksam — unbedingt Anwendungsbestimmungen und Zulassung beachten.
Bakterielle Krankheiten sind schwerer zu kontrollieren: Gute Hygiene, Schnittmaßnahmen und Vermeidung von Wunden sind zentral. Für meldepflichtige Bakterien gilt: Behörden informieren, keine Selbstbehandlung auf Verdacht.
Vorbeugende Pflege – die beste Therapie
- Standort: Vollsonne, winddurchlässiger Standort und gut drainierter Boden.
- Wasserhaushalt: Regelmäßig, aber nicht zu viel gießen; Staunässe vermeiden.
- Düngung: Ausgewogen, auf Bodenanalysen achten; Überdüngung mit Stickstoff vermeiden (fördert Pilze und zu weichen Austrieb).
- Schnitt: Im Spätfrühling oder Sommer trocken schneiden; sauberes Werkzeug und Wundbehandlung bei Bedarf.
- Topfkultur: Größere Gefäße, frische, durchlässige Erde und regelmäßiger Umtopf bei Bedarf.
- Sortenwahl: In Regionen mit bekannten Problemen auf weniger anfällige Sorten achten.
Praktische Checkliste für akute Fälle
- Symptome notieren und fotografieren.
- Befallene Teile entfernen und entsorgen (nicht auf den Kompost).
- Kontaktstellen reinigen (Schnittwerkzeuge desinfizieren).
- Bei Unsicherheit Probe an Beratungsstelle senden; bei Xylella Verdacht sofort melden.
- Pflegemaßnahmen anpassen: Drainage verbessern, Bewässerung reduzieren, Düngung überprüfen.
Wann sollten Sie fachliche Hilfe holen?
Wenn der Befall großflächig ist, mehrere Bäume betroffen sind, Symptome rasch fortschreiten oder meldepflichtige Erreger (z. B. Xylella) vermutet werden, sollten Sie eine Pflanzenschutzberatung, eine universitäre Pflanzenschutzstelle oder einen zertifizierten Baumpfleger hinzuziehen.
Mit guter Standortwahl, aufmerksamer Pflege und raschem Eingreifen lassen sich viele Probleme vermeiden oder eindämmen. Eine regelmäßige Kontrolle Ihrer Pflanzen lohnt sich — so bleibt Ihr Olivenbaum gesund und fruchtbar.
Weiterführende Links: Olivenbaumsterben (Wikipedia) • Informationen zu Pflanzenschutz erhalten Sie bei lokalen Pflanzenuntersuchungsstellen.